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EOOS über Kreativität

EOOS

»Irgendwann im Designprozess schlägt das Modell zurück. Wenn du dann noch etwas veränderst, wird alles schlechter. Das spürst du. In diesem Moment ist der Entwurf perfekt.«

Wie entwirft man Klassiker? Kann man die Eingebung erzwingen? Wie die Designer von EOOS es immer wieder hinkriegen, für Walter Knoll Möbel von zeitloser Gültigkeit zu erschaffen. Ein Gespräch mit Gernot Bohmann und Martin Bergmann.


Herr Bergmann, Herr Bohmann, wie gestaltet man zeitloses Design?

gb Keine Ahnung.

mb So denken wir nicht. Wir setzen uns nicht an einen Tisch und sagen: So, jetzt kreieren wir einen Klassiker.

Wie gehen Sie denn vor?

mb Wir hören zu. Einmal im Monat reisen wir nach Herrenberg und reden mit Markus Benz. Wenn er über seine Sicht auf den Markt spricht, über Ideen und Visionen, entstehen vor meinem inneren Auge Formen.

gb Du siehst Formen? Toll. Bei mir beginnt etwas zu leuchten. Ein Gefühl von gegenseitigem Verständnis, das mich inspiriert.

mb Bei dir leuchtet etwas? Auch toll.

Zuletzt haben Sie den Tama Desk für Walter Knoll entwickelt. Wie ist der entstanden?

mb Wir haben den üblichen Entwicklungsprozess umgekehrt.

gb Statt einen Entwurf zu zeichnen, haben wir mit der Schere aus einem Karton organische Formen geschnitten. In hoher Geschwindigkeit, denn der Prozess sollte intuitiv geschehen.

Das Ergebnis ist eher Skulptur als Möbel.

mb Wir dachten: Wie schön wäre es, an einem Tisch zu sitzen, der nur mehr Skulptur wäre. Der sanft geschwungen meinen Bauch umschmiegt, der ja ein verletzlicher Teil meines Körpers ist.

Wo stellen Sie sich diese Skulptur vor?

mb An einem Ort, wo ein Mensch sitzt und denkt und schreibt und eine Vision entwickelt. In einer tollen Villa oder im Büro einer Person, die sich souverän in der Welt der Kunst und Kultur bewegt.

Wann wissen Sie, dass ein Entwurf fertig ist?

mb Irgendwann schlägt das Modell zurück. Wenn du dann noch etwas veränderst, wird alles schlechter. Das spürst du. In diesem Moment ist der Entwurf perfekt.

gb Wir versuchen, im Entwurfsprozess alle Designaspekte zu berücksichtigen – Ästhetik, Funktion, Materialverbrauch, Möglichkeiten der seriellen Fertigung und Herstellungskosten des Produkts.

mb Design ist ein 380-Grad-Prozess.

Wieso 380 Grad? Reichen nicht 360?

mb Die zusätzlichen zwanzig Grad sind notwendige Poesie.

Wissen Sie am Ende noch, wer die entscheidende Idee hatte?

mb Nein. Ich betrachte beispielsweise die dreihundertste Skizze von Gernot zu einem Sessel, womöglich verkehrt herum, mache eine Bemerkung, und am nächsten Tag baut Gernot ein neues Modell, und ein neuer Weg ist gefunden. Wir spazieren monatelang um die Modelle herum, diskutieren, kommen in einen Flow, in dem egal ist, wer welche Idee hat.

Markus Benz & EOOS

Welchen Input geben Ihnen die Besprechungen bei Walter Knoll?

mb Einen gewaltigen. Wir sind zwar zu dritt, doch wir brauchen eine Einschätzung von außen. Als Markus Benz sich an den ersten Prototyp des Tama Desk setzte, sagte er: Ich sitze zu weit links, ungefähr fünfzehn Zentimeter. Das wäre uns nicht aufgefallen. Jetzt sitzt der Mensch im Zentrum.

gb Das ist ja das Besondere an Walter Knoll. Jürgen Röhm und die anderen in der Entwicklungsabteilung sind Profis, Spezialisten und Künstler zugleich, mit denen wir jede Naht besprechen können, die mit uns Ideen entwickeln, wenn wir nicht mehr weiterkommen.

mb Wichtig ist auch: Die Menschen kümmern sich rührend um unser leibliches Wohl, sie haben einen Sinn für poetische Reflexion und Humor. Sonst wäre es unerträglich.

Was macht Ihre Arbeit beschwerlich?

gb Wenn Materialressourcen, Konstruktion oder Preis nicht zusammenpassen, wenn sich ein Projekt am Ende als Blödsinn erweist. Das ist frustrierend.

Und was baut Sie wieder auf?

gb Wenn Markus Benz grünes Licht gibt und das gesamte Unternehmen für eine Vision einsteht.

mb Wenn ich dieses fast archaische Ja von ihm zu unserem Entwurf höre – das berührt mich immer wieder.


Das Team

Gernot Bohmann und Martin Bergmann studierten in der Meisterklasse für Design an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Harald Gründl gründeten sie anschließend das Designbüro EOOS. Ihre Entwürfe prägen Walter Knoll seit mehr als zwanzig Jahren maßgeblich.